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Die Geschichte der Strickerei Karl Siegel

Die Geschichte der Strickerei Karl Siegel

1948 – 2020

Seit Karl Siegel 1948 mit knapp 21 Jahren in Stade Ottenbeck auf dem damaligen Flugplatzgelände eine Baracke mietete und seine Firma gründete, hat sich viel verändert. In der Hansestadt Stade, am Industriestandort Deutschland und im wiedervereinigten Europa.

Den allergrößten Teil der Strickereien, die in den 50er und 60er Jahren in beiden Teilen Deutschlands Maschenwaren ‚Made in Germany‘ produzierten, gibt es nicht mehr.
Die Strickerei Karl Siegel existiert seit über 70 Jahren, sie ist bis heute ein familiengeführtes Unternehmen und eine der letzten vollstufigen Strickereien in Deutschland.

Grund genug, sich die Firmengeschichte, die untrennbar mit der Familiengeschichte verknüpft ist, genauer anzusehen und zu ergründen, wie sich ein Handwerksbetrieb in Zeiten von Digitalisierung und Globalisierung immer wieder so verändert, dass er wirtschaftlich weiterlebt, während in Deutschland hergestellte Bekleidung eine echte Seltenheit wird.

Die Gründung 1948

Karl Siegel (geboren 1927), Gründer und Namensgeber des Stader Familienbetriebs, wächst in Sachsen auf, wo sein Stiefvater eine Strickerei betreibt. Nach Kriegsende findet sich der junge Mann in Ostfriesland wieder, wo er sich verliebt und beschließt, in der britischen Besatzungszone, in Norddeutschland zu bleiben. Eine Rückkehr in die Heimat kommt für ihn nicht in Frage, aber er hält Kontakt zu seinem Stiefvater Herbert Mattes. Sein Weg führt ihn nach Stade.

1945
Deutschland wird von den Alliierten in Besatzungszonen aufgeteilt.
In der Britischen Besatzungszone befinden sich nur knapp 5 % aller Strickereien und Wirkereien. Zwar sind die Betriebe überwiegend funktionsfähig, aber Garnlieferungen bleiben aus. Maschenwaren sind Mangelware.


Siegel schafft es, noch vor seinem 21. Geburtstag seine eigene Firma ins Handelsregister eintragen zu lassen, notgedrungen unter dem Namen des Stiefvaters, die Hema. Über Mattes erfährt er auch von einem Handwebstuhl, der in der Nähe zu haben ist. Er transportiert das Gerät in seine neu angemietete Baracke auf dem Flugplatz, die er mit seiner Frau jetzt auch bewohnt. Kurz darauf treibt er zwei Handstrickmaschinen auf und schafft es, Garn zu besorgen - die Produktion kann beginnen.

Auch Siegels Hochzeit fällt noch in das Jahr 1948, im Jahr darauf wird Tochter Elke geboren.



Wie gut, daß Otto Schwinger, Flüchtling aus Schlesien, auch in Stade gelandet ist, denn ohne ihn wüsste der junge Siegel kaum, wie die Maschinen, die er sich organisiert hat, aufgebaut und betrieben werden. Schnell werden Mitarbeiter eingestellt und es wird produziert, was die Menschen gerade brauchen: Kinderhemden, Nesseltücher, bald auch Handschuhe und Pullover.

Die 1950er Jahre - Wirtschaftswunder, Wiederaufbau


Bereits 1951 hat die Strickerei Siegel 12 Mitarbeiter, die ersten motorisierten Maschinen werden angeschafft und die bis heute andauernde Beziehung zum Strickmaschinenhersteller Stoll in Reutlingen entsteht. Siegel fährt nun einmal pro Woche nach Hamburg, um in der Speicherstadt Garn zu besorgen und die erste Direktrice wird eingestellt. Die Strickerei produziert schon bald komplette Kollektionen und spezialisiert sich auf Damenoberbekleidung.

Elke Siegel-Jensen erinnert sich: „Ich war schon als kleines Kind immer in der Strickerei. Beide Eltern haben ja da gearbeitet. Meine Mutter hat Nesseltücher gewebt und ich durfte Kordeln drehen, für Badeanzüge!“

1950 – 1960
In dieser Dekade verdoppeln Strickereien und Wirkereien in Deutschland ihren Garnverbrauch und ihren Gesamtumsatz.

Den Vertrieb aller Produkte aus der Strickerei, die seit Mitte der 50er Jahre den Namen ihres Gründers Karl Siegel trägt, übernimmt der Händler Günter Mahn. Nachdem er in den frühen 50er Jahren mit dem Fahrrad an der Baracke auf dem Flugplatz vorbeikam und kurzerhand die Bestände aufkaufte, um schon in der Woche darauf wieder Nachschub zu holen, entsteht eine vertrauensvolle Geschäftsbeziehung, die viele Jahre anhält – ganz ohne Vertrag.

Mahn schafft es immer, das gesamte Produktionsvolumen zu verkaufen und während er sein florierendes Modevertriebsgeschäft aufbaut, wächst auch die Strickerei kontinuierlich weiter.

1955 steht der erste Umzug in den Stadtteil Campe an, 1957 arbeiten bereits 60 Mitarbeiter in der Strickerei und 1959 erfolgt schließlich die Eintragung der Marke Seepferdchen ins Markenregister.

Zweimal im Jahr entsteht in der Strickerei nun eine Kollektion nach eigenem Design. Es wird unter einem Dach entworfen, gemustert, gestrickt, gedämpft und konfektioniert, verpackt und gelagert.
Vertriebler Günter Mahn ist jedoch der einzige Außenkontakt, es bestehen keine Berührungspunkte mit Endkunden.

Mahn präsentiert Seepferdchen regelmäßig auf der Ordermesse IGEDO in Düsseldorf. Die 1949 erstmals ausgerichtete Messe für Damenoberbekleidung bringt Hersteller und Fachhändler zusammen, darunter seit Mitte der 50er Jahre auch zunehmend internationales Publikum.



Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung im Nachkriegsdeutschland steigt die Lust auf Farbe, neue Garne und Schnitte. Die Seepferdchen-Kollektionen behauptet sich Jahr um Jahr am Markt und Günter Mahn kommt stets mit volleren Auftragsbüchern von der Messe zurück.

Die Bestellungen gibt er nummeriert an Siegel weiter, Händlernamen werden nie genannt. Beide Firmen florieren, es werden 40.000 Teile im Jahr produziert und verkauft. Siegels Tochter Elke verbringt ihre freie Zeit in der Strickerei. Sie hat inzwischen drei Geschwister: Margarethe, Barbara und den kleinen Karl-Frank. Ihre Pflichten im Haushalt sind überschaubar, schließlich macht sie sich nützlich im Betrieb.

1960er und 70er Jahre

1960 stellt Karl Siegel seinen Chorkollegen Heinz Griepentrog als Buchhalter ein. Die beiden hatten ihre Arbeitsbeziehung schon einige Jahre getestet: Griepentrog war von Siegel zum Schriftführer des Chors ernannt worden.

„Er hat mir sogar ein Buch gekauft dafür. Da stand aber nie was drin – sein Wort war Gesetz“ schmunzelt der gelernte Baustoffhändler bei der Erinnerung an seinen Chef.

Griepentrog hat ein Auge für Zahlen und fortan führt er die Bücher, rechnet, ordnet. Er verantwortet mit ruhiger Hand und zuverlässiger Übersicht ab sofort die Finanzen des wachsenden Unternehmens. Aber auch die Personalverwaltung übernimmt er, stellt Näherinnen ein, wenn seine Berechnungen einen Bedarf ergeben und weiß genau, was in den Produktionshallen vor sich geht. Steuerprüfungen sieht er gelassen entgegen und überreicht den Prüfern stets zwei übersichtlich und ordentlich abgelegte Ordner. Für die Bank erstellt er Bilanzen und Vorausberechnungen, wenn es darum geht, Überbrückungskredite für den Sommer zu beantragen. Ein regelmäßiger Vorgang, denn jede Kollektion muss erst einmal vorfinanziert werden.



Die Mitarbeiter bekommen stets am 20. des Monats von Griepentrog und Siegel persönlich eine Abschlagszahlung auf ihr Gehalt bar ausgehändigt. In Zuge dessen wird der Bareinkauf verrechnet. Der Buchhalter und Personalchef kennt jeden Angestellten namentlich. Nach einem Lehrgang Griepentrogs als Bilanzbuchhalter sind die gelegentlich angeheuerten Unternehmensberater nicht mehr nötig, die immer komplexeren ‚Betriebsergebsnisrechnungen‘ für Bank und Finanzamt werden in Zusammenarbeit mit dem Steuerbüro selbst erstellt.

Während der Maschinenbestand in der Produktionshalle wächst, gibt es auch Anschaffungen im Büro: die Adressiermaschine Adrema soll das Etikettenschreiben per Matritzendruck für Lager und Produktion erleichtern. „Das Ding war umständlich zu bedienen und eigentlich großer Quatsch“ weiß Griepentrog. Und so wird die Maschine wieder abgeschafft und die Laufzettel teilweise noch bis in die 90er Jahre mit der Hand geschrieben. Eine Arbeit, die auch Siegel und sein Buchhalter immer wieder übernehmen. Ein Addiator ist lange Zeit das einzige Hilfsmittel beim Kopfrechnen der langen Zahlenkolonnen im Lohnbuch oder beim monatlichen Rechnungen schreiben und schließlich gibt es oben in der Buchhaltung die neue Olivetti Prima Rechenmaschine!

Sobald ein Überschuss erwirtschaftet wird, kauft Siegel neue Strickmaschinen und baut 1963 im Stadtteil Hahle ‚auf die grüne Wiese‘ zwei neue Produktionshallen mit angegliedertem Wohngebäude. Die Familie wohnt nun wieder über dem Betrieb und der Jüngste, Karl-Frank scharwenzelt gern mal ins Büro – in der Hoffnung, die Olivetti bedienen zu dürfen. Sie ist laut und erscheint dem 5-jährigen sehr groß. Regelmäßig kommt ein Mitarbeiter der Firma Waller ins Haus, um sie zu ölen.



140 Mitarbeiter kommen nun jeden Tag nach Hahle zur Arbeit, viele von ihnen mit dem Betriebsbus, der sie vom Stader Bahnhof abholt. Der Großteil der Angestellten sind Frauen, die im Akkord arbeiten, im Zuschnitt, der Näherei und der Dämpferei. In der Strickerei sind je fünf Stricker pro Schicht beschäftigt. 100.000 Teile umfasst die Seepferdchen-Produktion im Jahr.

1965
das Statistische Bundesamt zählt 1.288 Maschenbetriebe in Deutschland. 38 % der Betriebe produziert Oberbekleidung

Elke Siegel übernimmt während ihrer Abiturzeit gern die Wochenendschichten in der Strickerei und verdient sich so ein gutes Taschengeld. Gelegentliche Verehrer werden direkt mit angestellt bevor es zum Tanzen in die Stadt geht. Ihre Studienwahl ist einfach, sie entscheidet sich ohne Zögern für ein Textilingenieursstudium in Reutlingen. Jura oder Medizin, wie vom Vater vorgeschlagen, kommt für sie nicht in Frage.
1969 wird ihr Sohn Raja geboren und als dieser 1976 in die Schule kommt, beginnt sie, fest im Familienbetrieb zu arbeiten.

1970 zählt das Statistische Bundesamt 3.615 Betriebe im gesamten Textilgewerbe. Sie beschäftigen knapp eine halbe Millionen Menschen und erwirtschaften einen Gesamtumsatz von umgerechnet 12,5 Mrd. Euro.
Im Lauf der 70er und 80er Jahre wird sich die Zahl der Betriebe halbieren, der Gesamtumsatz aber mit 21 Mrd. In 1990 deutlich steigern.

Die 80er Jahre – Maueröffnung, Made in China, Digitalisierung

Noch wird in der Verwaltung und Organisation der Strickerei vieles mit der Hand und im Kopf gemacht.
Heinz Griepentrog ermittelt minutiös Produktionschritte und -zeiten und kalkuliert Preise für jedes einzelne Stück der neuen Musterkollektionen. Er verwaltet außerdem das Lager und die Auslieferung an die Firma Mahn. Er berechnet Kosten und Ausgaben, während sich Elke Siegel immer mehr in die Konfektionsprozesse einarbeitet.

Mitte der 80er Jahre probiert Karl Siegel den Ruhestand und zieht sich für einige Jahre aus dem Unternehmen zurück, um auf den Kanaren zu leben. Tochter Elke und Prokurist Griepentrog führen nun das gut laufende Unternehmen.

Die drei jüngeren Kinder der Familie Siegel verfolgen nach dem Gymnasium andere Berufswege, Margarethe wird Steuerberaterin und stellt ihr Können später unter anderem der Familie zur Verfügung. Barbara wird Veterinärin, Sohn Karl-Frank lernt das Tischlerhandwerk und lebt einige Jahre auf Korsika.

Günter Mahn ergänzt sein Angebot längst auch mit internationalen Produkten, vor allem aus Italien, und schlägt vor, die Seepferdchen Kollektion auf die reifere Dame auszurichten, da er hier eine wachsende und wohlhabende Zielgruppe sieht.
Er soll Recht behalten, denn zunehmend wird Bekleidung in Asien gefertigt, Moden und Trends wechseln schneller und es entstehen Handelsketten mit aggressiver Preispolitik. Die besondere Seepferdchen-Qualität ‚Made in Germany‘ hat im Bekleidungs-einzelhandel aber noch Bestand.  


 
Die Einzelhandelsstruktur in Deutschland beginnt sich zu ändern. In den 70er Jahren eröffnen 28 neue Einkaufzentren, überwiegend in Innenstädten. Der 1949 gegründet Otto Versand, der bereits in den 70er Jahren international expandierte, ist 1987 der größte Versandhändler der Welt. 1980 eröffnen die ersten H&M-Filialen in Deutschland.

Parallel zum Ende des Kalten Krieges 1989 kommt es auch zu Veränderungen in der Strickerei in Stade. Ein großer Anbau wird geplant und fertiggestellt, die neue Dämpferei.

Karl-Frank beschließt, einer Eingebung folgend, nach Deutschland zurückzukehren, in das Familienunternehmen einzusteigen und sich in das bisher eher fremde Handwerk einzuarbeiten. Das Bedienen der Strickmaschinen wird sein Metier, sein frischer Blick von außen auf den inzwischen 40 Jahre alten Familienbetrieb bringt Dynamik und manche Diskussion. Die Geschwister führen den Betrieb nun gemeinsam.
Auch Karl Siegel kehrt aus dem Süden zurück und steigt wieder in den Betrieb ein.

Die Geschwister Siegel gehen das Thema der Digitalisierung an, was im laufenden Betrieb und bei datenintensiven Produktionstechnik unweigerlich Turbulenzen mit sich bringt.
Karl-Frank vertieft sich in das Programmieren der Strickmaschinen, dringt aber auch darauf, die Stammdaten der gesamten Produktion zu digitalisieren. Lager- und Buchhaltung stehen als nächstes auf der Liste. Es werden Computer angeschafft, Mitarbeiter geschult, Abläufe geändert  – eine unruhige Zeit. Griepentrog besteht lange Zeit darauf, seine Lager- und Lieferroutine analog zu belassen.

Die 1990er Jahre - Zerfall der Sowjetunion, Öffnung des Ostblocks, Gründung der Europäische Union

Das Ende des kalten Krieges mit der Maueröffnung macht sich in Stade zuerst in zweierlei Hinsicht positiv bemerkbar: Die Nachfrage steigt erneut, es wird noch mehr produziert. Und der Bedarf an motivierten Arbeitskräften kann gedeckt werden – Dank der Einwanderungswelle aus den ehemaligen Ostblockstaaten. Griepentrog, der nach wie vor das Personalwesen verantwortet, erinnert sich, wie beschwerlich das Thema vorher war: Arbeitsunwillige, vom Amt geschickte Kandidaten erschienen nicht zur Arbeit, bis er sie zu Hause aufsucht und schließlich wieder entlässt. Die neuen Arbeitskräfte, u.a. aus Kasachstan, sind handwerklich geschickt, motiviert und untereinander gut organisiert. Wird kurzfristig eine weitere Arbeitskraft gebraucht, findet sich immer jemand im Familien- und Bekanntenkreis der neuen Kolleginnen.

1993 arbeiten 160 Menschen in der Strickerei Siegel, die Strickmaschinen werden in drei Schichten betrieben. Den Näherinnen wird von einem Signalton, der ‚Hupe‘,  ihre jeweilige Frühstückspause angezeigt – auch dies geschieht in drei Schichten. Im großen Personalraum wird genüsslich geraucht, Nichtraucher haben eine kleine Kammer zur Verfügung.
Nach wie vor wird jeden Morgen an die Firma Mahn geliefert, eine Vertrieb darüber hinaus gibt es nicht.



Mitte der 90er Jahre sinkt die Nachfrage, Produktionsstätten in den neuen Bundesländern und Osteuropa erobern sich den Markt. Derweil werden die Aufträge der Firma Mahn zunehmend komplizierter, aufwändiger und damit unwirtschaftlich.

Karl-Frank Siegel erinnert sich: „Ich hab karierte Maiglöckchen gestrickt für den, ein Wahnsinnsaufwand!“

Gleichzeitig entdeckt Elke Siegel im bei ‚Blusen Cordes‘ in der Stader Innenstadt eine Seepferdchen-Kopie und es tauchen Gerüchte auf.  
1995 wird klar: die Firma Mahn hat in Sachsen einen Großbetrieb aufgekauft und produziert dort den Großteil des Volumens, das bisher seit nun 45 Jahren zuverlässig in der Strickerei Siegel hergestellt wurde.

Umbruch und Vertriebsaufbau

Die Familie Siegel ist sich einig: Die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Firma Mahn ist hiermit zu Ende. Doch wie geht es weiter? Karl Siegel und Tochter Elke fällt es schwer, sich eine Zukunft auszumalen, ein Verkauf der Firma wird erwogen. Karl-Frank will nicht aufgeben. Nach anfänglichem Zögern und generationsbedingten Uneinigkeiten ist er inzwischen mit Leib und Seele im Betrieb verwurzelt. Er entscheidet und überzeugt Vater und Schwester, den Betrieb gemeinsam weiterzuführen. Das bedeutet: Ein eigener Vertrieb muss her.

Karl-Frank beginnt, Gespräche zu führen, Kontakte herzustellen und Budgets einzuplanen, die es bisher noch nicht gab. Ohne eine einzige Kundenadresse ist er angewiesen auf etablierte Vertreter. Er schafft es, zwei der besten Vertriebler und den Buchhalter der Firma Mahn für sich zu gewinnen. Während die Produktion wie gewohnt weiterläuft, wird zum ersten Mal ein Katalog gedruckt und Dank der neuen Kollegen ein eigener Stand auf der IGEDO ergattert.

1996 stehen die Geschwister Siegel gemeinsam zum ersten Mal selbst auf der internationalen Ordermesse und zeigen sich als die Urheber und Produzent der beliebten Marke. Die meisten Kunden sind erstaunt – und halten die Treue. Die Marke steht für sich und kann sich weiterhin am Markt behaupten.

Elkes Sohn Raja steigt nun auch in den Betrieb ein und kümmert sich um den Vertrieb in Österreich. So arbeiten drei Generationen am Erhalt des Familienbetriebs. Die Strickerei übernimmt einige Einzelhandelsgeschäfte, die vor der Schließung stehen, und steigt so in den Direktverkauf ein. Karl Siegel arbeitet weiterhin in der Strickerei, zieht sich aber aus der Geschäftsführung endgültig zurück.

Die Vertreterprovisionen sind ein neuer ungewohnter Posten in der Bilanz, generell steigt der Buchhaltungs- und Verwaltungsaufwand, denn nun wird ja selbst mit allen Kunden abgerechnet. Gut, dass für diese Übergangszeit Mahns früherer Buchhalter mit an Bord ist, der sich mit diesen Vorgängen auskennt. Für Kundenbetreuung und die Annahme der Nachorder während der laufenden Saison wird eine Fachkraft eingestellt. Auch gut, dass die elektronische Datenverarbeitung inzwischen zum Alltag gehört, denn mit den vielen neuen Kunden gilt es, den Überblick zu behalten und schnell Zugriff auf Information zu haben. Im Zuge der Umstrukturierung gibt es auch den Versuch der Produktion für die renommierten Versandhäuser Klingel und Bader, bei dem die vergleichsweise kleine und unerfahrene Strickerei Siegel Federn lassen muss.

1990 gibt es 93 Einkaufzentren in Deutschland, Mieter sind überwiegend Handelsketten. Weitere Zentren entstehen in den neuen Bundesländern, wo Bauland ‚auf der grünen Wiese‘ verfügbar ist. Bis 2006 wird sich diese Zahl mehr als verdreifachen auf 372.

Ende der 90er macht sich der Strukturwandel im Einzelhandel zunehmend in der Strickerei bemerkbar und so kommt es immer wieder zu Kündigungen in der Produktion und Terminen beim Arbeitsgericht. Die Stimmung unter den ungelernten Akkord-Arbeiterinnen ist zunehmend angespannt. Eine gelernte und erfahrene Schneiderin, die als Spätaussiedlerin gerade aus Russland nach Stade gezogen ist, ist hin- und hergerissen zwischen Freude über die Festanstellung und Sehnsucht nach ihrem ersten Mini-Job in der Änderungsabteilung des Kaufhauses Mohr. Schnell wird Siegel klar, dass sie mehr kann als den ganzen Tag die gleiche Naht auszuführen und nach und nach kann sie anspruchsvollere Aufgaben übernehmen.

2000er Jahre - EU-Osterweiterung 2004 und 2007, Finanzkrise 2008, Rekord-Ölpreis,
China wird Industrienation → Rohstoffboom, Weltmarkt verändert sich. amazon und zalando breiten sich auf dem europäischen Markt aus


Die Entwicklung der 90er Jahre setzt sich fort. Textilhersteller lassen zunehmend in der Türkei oder Portugal fertigen, wodurch sich die Marktpreise für Bekleidung verändern. Gleichzeitig beginnt der Onlinehandel zu wachsen, während kleine Einzelhändler ihre Geschäfte aufgeben. Im Jahr 2000 ist amazon der größte und die Otto Group der zweitgrößter Onlinehändler der Welt.

2004 endet das Welttextilabkommen. Der deutsche Textilmarkt ist jetzt nicht mehr durch Importquoten geschützt sondern unterliegt den Regeln der Welthandelsorganisation. China drängt mit konkurrenzlos günstiger Bekleidungsproduktion auf den Markt, Handelsketten wie H&M, Zara, C&A expandieren weiter. Neben dem anhaltenden Einkaufzentren-Boom öffnen die ersten Factory Outlet Center in Deutschland. Hier wird Markenbekleidung zu deutlich vergünstigten Preisen angeboten.

Der klassische Seepferdchen-Kundenstamm schrumpft und mit ihm die Produktion. Neue Strickmaschinen werden nicht mehr angeschafft.

2001 geht Prokurist und Karl Siegels rechte Hand Heinz Griepentrog in den Ruhestand. Etwa 700 Mitarbeiter hat er in den 41 Jahre seiner Betriebszugehörigkeit eingestellt – und viele davon auch wieder entlassen müssen. Das Kernstück seiner Personalbuchhaltung ist ein sorgfältig gepflegter Karteikasten mit handgeschriebenen Kärtchen.  



Aber, anders als der neue Kollege, weiß er auch genau was in der Strickerei vor sich geht, welche Arbeiterinnen produktiver sind und welche zu häufig Zigarettenpause machen. Oftmals vermittelt er zwischen den Frauen, tröstet oder rettet eine vorlaute aber fleißige Näherin vor der Kündigung durch den aufgebrachten Senior. Auch Griepentrog übergibt einen Teil seiner Aufgaben an die nächste Generation; seine Tochter ist bereits seit 1987 in der Buchhaltung der Strickerei beschäftigt.

2004 ist endgültig klar, dass die Strickerei Siegel mit ihrem derzeitigen Personalbestand nicht mehr am Markt bestehen kann. Es wäre eine Lösung, die Näherei auszulagern, also im europäischen Ausland zu konfektionieren. Das käme einer Massenentlassung gleich und ist rechtlich nicht möglich. Eine Zeit lang wird jeden Monat die zulässige Menge Personal entlassen. Die  Buchhalterin erinnert sich mit Grauen an die regelmäßigen Entscheidungsrunden mit dem Betriebsrat und die Stimmung im Betrieb. Es herrscht Druck und die Vorarbeiterinnen sind gefürchtet.

Wieder sitzt die Familie zusammen, wieder ist es Karl-Frank, der zuerst gegen den Willen seines Vaters auf ein Weitermachen besteht. Sein Plan: eine – gut vorbereitete – Teilbetriebsstilllegung. Er lässt sich beraten, hört sich um und plant jeden Schritt. Beharrlich verfolgt er sein Ziel und überzeugt den zuständigen Richter, ihm einen Insolvenzverwalter zuzuteilen, der eine Weiterführung des Betriebs zumindest nicht verhindern wird.

Der Plan geht auf, der zuständige Insolvenzverwalter gewährt ihm den nötigen Spielraum, um die Beziehungen zu den Zulieferern zu klären. Die Strickerei kann weiter produzieren, die gesamte Konfektionsabteilung wird gekündigt und Karl-Frank schließt einen Vertrag mit einer Näherei in Polen. Ab sofort fahren er und sein Vater die Strickwaren regelmäßig nach Polen und holen sie als fertige Kollektion wieder ab. Die Kunden bemerken wenig von der Teilinsolvenz, die langjährigen Lieferanten lassen sich im persönlichen Gespräch auf langfristige Abmachungen ein, die ein Weiterarbeiten erlauben. Auch die Familie hält wieder zusammen, die Schwestern unterstützen mit Bürgschaften und die Bank kann ein weiteres Mal überzeugt werden, die nötigen Kredite zu gewähren. Elke und Karl-Frank führen den Betrieb gemeinsam weiter, Karl Siegel hilft in der Strickerei und als Fahrer und Raja verlässt den Familienbetrieb als Mitarbeiter und übernimmt die Einzelhandelsgeschäfte in Eigenregie. Er wird damit zum Kunden für die Seepferdchen Kollektionen.

Nachdem der weltgrößte Onlinehändler amazon bereits 2002 mit dem Marketplace seine Seite für andere Anbieter geöffnet hat, bietet er ab 2008 einen eigenen Bekleidungsshop. Im gleichen Jahr wird der deutsche Onlineversender zalando gegründet, der schon im Folgejahr Mode und Bekleidung in sein Angebot aufnimmt.

2010er Jahre – Smartphones und Tablets sind verbreitet, das schnelle und mobile Internet wird zum Marktpaltz: ebay, youtube, amazon und zalando wachsen

Die Strickerei Siegel und ihre Marke Seepferdchen hat es mit einer Markenauffrischung ins neue Jahrtausend geschafft, noch immer werden zwei Kollektionen pro Jahr produziert und in Deutschland und dem angrenzenden Ausland vertrieben – wenn auch inzwischen mit deutlich weniger Teilen als zu Hochzeiten Ende der 80er Jahre.
Rund 30 Mitarbeiter gehören noch zur Belegschaft. Die inzwischen teils 20 Jahre alten Strickmaschinen werden eigens von einem Anlagenbauer gepflegt, Wartungsverträge gibt es dafür nicht mehr. Die Strickprogramme werden immer noch selbst geschrieben. Dank Karl-Franks intensiver Tüftelei Ende der 80ger sind er und seine Mitarbeiter damit unabhängig vom innovationsgetriebenen Markt.



12 Vertreter nehmen zwei Mal im Jahr jeweils bis zu 150 Musterteile entgegen um sie den noch etwa 500 Einzelhändlern zu präsentieren. Eine Investition, die sich zunehmend weniger richtig anfühlt. Zwei aufwändig produzierte Kataloge werden jedes Jahr fotografiert und gedruckt.  Die Branche ist konservativ. Als Ende der 90er Jahre versucht wird, ein Onlineformular für Bestellungen einzuführen, scheitert das Unterfangen. Eine Händlerin kommentiert: „Hören Sie, ich besitze nicht mal ein Fax!“

Trotz intensiver Vertreterbetreuung sinken die Orderzahlen kontinuierlich und es wird immer häufiger bis Mitte November gewartet, um nach zu ordern – denn dann werden die Preise reduziert. Der Preiskampf ist frustrierend, auf Messen bekommen die Mitarbeiter der Strickerei Siegel deutlich zu spüren, dass ihr Angebot ‚Made in Germany‘ nicht mit dem der Mitbewerber mithalten kann, die in Asien produzieren.

Die Kundenbetreuerin bemerkt den Rückgang des Einzelhandels deutlich, kennt sie doch inzwischen nahezu jeden Händler durch unzählige Telefonate. Die Zeiten in denen Einzelhändler hektisch anriefen: „Schicken Sie mir Pullover, egal wie viele – alles was Sie da haben!“  und am nächsten Mittag schon die ersten zehn Stück verkauft hatten, sind eindeutig vorbei.
Trotz des demografischen Wandels, der die Seepferdchen-Zielgruppe hat wachsen lassen, brechen die klassischen Vertriebsstrukturen weg.

Wie geht es weiter?

2011 zählt das Statistische Bundesamt in Deutschland noch 283 Betriebsstätten im Bekleidungsgewerbe, davon produzieren 123 Oberbekleidung und 61 Wäsche. Deutschland importiert in diesem Jahr Textilien im Wert von knapp 15 Mrd. Euro allein aus China, der Türkei und Bangladesh. Internationale Textildiscounter wie Primark und TK Max eröffnen Ende der 2010er Jahre erste Läden in Deutschland. Bei TK Max sind es zwölf Jahre nach dem Einstieg in den Deutschen Markt 140 Filialen. Der deutsche Discounter Ernstings Family 2019 betreibt Ende des Jahrtausends über 1.800 Filialen.

Im gleichen Jahr rutschen mehrere Einzelhandelsketten und Marken des mittleren Preissegments in die Pleite: Gerry Weber, Miller and Monroe, Rene Lezard, AWG und Strenesse melden Insolvenz an. 2015 beträgt der Anteil des Onlinehandels am Fashionmarkt bereits über 20 % mit einem jährlichen Gesamtumsatz von knapp 11,5 Mrd. Euro.

Ein Klassiker wird neu aufgelegt

Ein privates Projekt ist es schließlich, das zu Beginn des neuen Jahrzehnts den Weg in die Zukunft zeigt. Karl-Frank beschäftigt sich schon länger mit der Konstruktion eines soliden, haltbaren Wollpullovers für seine Segeltörns. Der klassische Troyer, der robuste Arbeitspullover der Fischer und Seeleute, dient ihm als Vorbild. Im Freundes- und Familienkreis entsteht schnell eine Nachfrage für das durable Stück Outdoor-Kleidung. Lange wird getüftelt, verbessert, geändert und immer mal ein Pullover für einen Kumpel mitgestrickt. Ein Freund ist es auch, der darin das Potential für eine Geschäftsidee sieht und immer wieder darauf besteht, eine Serienproduktion zu starten und eine neue Marke ins Leben zu rufen.

Diesmal ist es Karl-Frank, der zögert. Er kann sich den Vertriebsweg nicht vorstellen, Damenoberbekleidung im Einzelhandel ist sein vertrautes Geschäft. Und er hat seinen neuen Lieblingspullover auch so sorgfältig gebaut, dass der im Handel ‚unbezahlbar‘ wäre.

Immerhin scheinen die älteren Strickmaschinen gut geeignet für die Experimente mit fünf Fäden, die im dichten Perlfanggestrick verarbeitet werden. Die gefrästen Nadelbetten lassen die Nadeln ruhiger laufen, das Maschenbild ist stabil und gleichmäßig – ein Qualitätsmerkmal.



Ein Rechenfehler im Jahresabschluss gibt schließlich den Impuls, eine Agentur zu beauftragen. Ein plattdeutscher Spruch bringt die Idee zum Markennamen, Rymhart, ein Logo wird entwickelt, eine Homepage erstellt. Der Troyer in seiner endlich vollendeten Form wird zuerst in zwei klassischen Farben in Serie produziert.

Es wird Werbung geschaltet und das Fernsehen eingeladen – und siehe da: Der Verkauf läuft. Und zwar online, ohne Zwischenhandel, ohne Vertriebsstruktur – nur im direkten Kundenkontakt. Raja kehrt wieder in den Familienbetrieb zurück und übernimmt die Kundenbetreuung. Auch der hauseigene Werksverkauf, bisher Anlaufpunkt für die Ladies im gesetzteren Alter, bekommt einen Ständer mit den schweren Seemannspullovern und damit nach und nach einen neuen Kundenkreis. 

Die neue Marke macht alles anders

Intern läuft die Produktion anfangs nebenbei und eher im Hintergrund. Die Schneiderin entwirft – wenn Zeit ist – neue Passformen, als klar wird, dass die Nachfrage nicht abreißt. Karl-Frank denkt – nebenbei – über neue Farben nach und verhandelt mit Lieferanten ganz neue Kriterien: Naturbelassen soll das Garn sein, ja wirklich 100 % Wolle, nein keine Ausrüstung, kein Superwash, und bitte auch ohne Schwermetalle gefärbt. 



Auch die Außendarstellung ist anders als bei Seepferdchen – es wird kein Model gebucht und im Fotostudio aufwändig gestyled. Freunde und Familie tragen ihre Lieblingspullover einfach und lassen sich von anderen Freunden fotografieren. Draußen, vor grauem Himmel und mit Wind in den Haaren. Die Vertriebsmitarbeiterin staunt, welche Kartonagemengen nun ins Haus kommen: Jeder Troyer wird mit einer Seriennummer versehen und, von Zertifikat und Auffrisch-Gutschein begleitet, einzeln verpackt. Jeder Kunde wird individuell ‚betüdelt‘, darf Frage stellen, Wünsche äußern – und erzählt es weiter.

Mit der neuen Marke läuft wirklich alles anders als bisher. Es gibt keine Kollektionen mehr, keine saisonalen Rabattschlachten, keine Kataloge, Ordermessen, Konkurrenzdruck, Trends oder Moden, die es mitzumachen gilt, um am Markt zu bleiben. Und dennoch steigt die Zahl der Menschen, die gern bereit sind, dreistellige Beträge auszugeben für ein Stück Gestrick, das verspricht sehr lange zu halten, klassisch und zeitlos aussieht und funktioniert. Die Kundenzufriedenheit kommt immer öfter auch in der Strickerei an – Kundenfeedback ist eine neue Erfahrung für alle. Eine langjährige Mitarbeiterin stellt fest: „Klar ist das schöner, wenn man auf ´ner Party sagen kann, dass man da arbeitet wo diese Troyer hergestellt werden, und nicht mehr wie früher da, wo meine Oma ihre Pullover kauft.“

Die Schneiderin trifft manchmal beim Einkaufen frühere Akkord-Kolleginnen aus der Näherei und die Frage lautet meistens: “ Echt, du bist immer noch da? Die Strickerei gibt es noch? Funktioniert das noch?“ Sie kann das jedes Mal stolz bestätigen, denn während die anderen zwei Stader Strickereien längst geschlossen haben, entwickelt sie nun regelmäßig neue Stücke. Und die „trägt ja inzwischen wirklich jeder in Stade – fürchterlich!“ grinst ein Kollege aus dem Seepferdchen-Vertrieb. Auch dass die Prominenz im Regionalfernsehen ab und an im Rymhart vor der Kamera steht, gefällt den Mitarbeitern. Rymhart ist zu einer Marke geworden, mit der man sich identifizieren kann.

Veränderungen gibt es derweil auch in der Familie Siegel. Karl Siegel, Gründer und bis zuletzt fester Bestandteil der Strickerei Siegel, stirbt 2016 mit 88 Jahren. Elke Siegel-Jensen zieht sich 2017 aus der Geschäftsführung zurück. Auch Sohn Raja möchte sich wieder anderen Aufgabe widmen. Er bleibt der Marke Rymhart aber als Verantwortlicher für die Messepräsenzen verbunden und ist damit für viele Kunden in Deutschland und Österreich der erste Markenkontakt.

Rymhart auf klarem Kurs

Das Sortiment der Rymhart-Artikel ist inzwischen gewachsen und damit auch Umsatz und Kundenkreis. Die gute Kundenbetreuung macht sich bezahlt, die Marke wird gern weiterempfohlen. Sie scheint in ihrer zeitlosen, ruhigen Art eher zufällig den Zeitgeist zu treffen, der zunehmend geprägt ist von Umweltthemen, Konsumkritik und einer Sehnsucht  nach Regionalität und Echtheit. Der Freund, der während der Entwicklungsphase schon die Vorstellung einer Markenstrategie hatte, übernimmt nun den Vertrieb und sorgt für eine klare Positionierung der Marke Rymhart – draußen am Markt und drinnen in der Strickerei gleichermaßen.

Der Werksverkauf  – neben den Messen der einzige Ort des direkten Kundenkontaktes – wird renoviert und bekommt eine klare Struktur. Der Onlineauftritt als Hauptvertriebskanal der Marke wird überarbeitet und mit Inhalten angereichert, die für Transparenz und Nahbarkeit sorgen. Intern arbeiten jetzt mehr Mitarbeiter fest und verbindlich für Rymhart, und die vermeintliche Schwäche, die Elke Siegel-Jensen einmal so beschrieb: „Wir haben nie Mode gemacht, das konnten wir gar nicht. Wir waren immer ´ne reine Produktion" wird zur Stärke. Rymhart steht für hochwertige Bekleidung, hergestellt in Deutschland. Auf alten Maschinen, mit sehr langjährigen und erfahrenen Mitarbeitern, mit einem Geschäftsführer, der vieles anders macht als es im BWL-Handbuch steht.



Eine Besonderheit inzwischen, ein ‚gallisches Dorf‘ als eine der letzten vollstufigen Strickereien in Deutschland, und auch baulich über die Jahre umringt von Discountern.

Und wieder einmal, nach inzwischen über 70 Jahren bewegter Betriebsgeschichte, steht die Strickerei Siegel an der Schwelle zu einem neuen Jahrzehnt – unabhängig, zuversichtlich und stolz auf das, was alle zusammen seit teilweise über vierzig Jahren täglich schaffen.

Die Geschichte wird fortgeschrieben.

2018 zählt das Statistische Bundesamt in Deutschland noch 234 Betriebsstätten im Bekleidungsgewerbe, das Importvolumen für Textilerzeugnisse allein der drei größten Herstellerländer China, der Türkei und Bangladesh liegt bei knapp 20,2 Mrd. Euro. Das Onlineverzeichnis ‚wer-liefert-was‘ listet 25 Strickereibetriebe in Deutschland. Herwig Langbein, pensionierter Garnvetriebler, schätzt, dass es 1980 etwa 350 – 400 Betriebe gab, allein in jedem Ort der Schwäbischen Alb zwei oder drei.


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